
Ein Anbieterwechsel bei Schmierstoffen wird in der Regel ungerne vorgenommen – je nach Produkt und Anwendung kann er weitreichende Risiken mit sich bringen.
Der häufigste Auslöser ist die Liefersituation: Engpässe oder Lieferausfälle zwingen Betriebe dazu, sich dem Thema zu widmen. Im Folgenden werden Chancen und Risiken je Produktkategorie konkret betrachtet.
Um das sehr weitläufige Thema einzugrenzen, werden ausschließlich Industrieschmierstoffe behandelt. Bearbeitungsöle, Wärmeträgeröle und der gesamte Kfz-Bereich sind ausgenommen.
Hierzu zählen Hydraulik-, Industriegetriebe-, Kompressor-, Umlauf- und Turbinenöle. Das Risiko, dass beim Anbieten von Alternativen ein Fehler unterläuft, kann als gering eingestuft werden.
Die gängigen Normen mit Bezeichnungen wie HLP, CLP oder CLPG sagen dabei mehr über Eigenschaften und Mindeststandards aus als über die eigentliche Qualität. Was bei Hydraulikölen noch recht eindeutig erscheint, ist bei Getriebeölen bereits anders: Unter der Klassifizierung CLP kann sich sowohl ein sehr einfaches als auch ein Hightech-Getriebeöl befinden.
Ein Anbieterwechsel sollte bei geringen Preisunterschieden wohl überlegt sein. Der damit verbundene Aufwand für Instandhaltungsplanung und Logistik sollte berücksichtigt werden.
Ein Anbieterwechsel lohnt sich finanziell meist nur bei großen Mengen oder in Ausnahmefällen. Aber selbst dann gilt es genau hinzuschauen, denn Fett ist nicht gleich Fett. Haben Sie beim Vergleich schon einmal die Grundölviskosität geprüft oder die Inhaltsstoffe unter die Lupe genommen? Über 64.000 verschiedene Varianten sind möglich.
Dazu kommt: Ein Schmierfett muss ein Vielfaches dessen leisten, was ein vergleichbares Öl leistet. Obwohl Schmierfett zu 75 % aus Öl besteht, müssen die wenigen Gramm dieselbe Arbeit verrichten wie sonst viele Liter Schmieröl. Ein Schmierfett kann daher nie zu teuer sein. Besser ein hochwertiges, leistungstechnisch großzügig dimensioniertes Fett zur universellen Abschmierung einsetzen als zur Kartusche für 2 € zu greifen. Ihre Maschinen und deren Wälzlager werden es Ihnen mit langer Lebensdauer und minimalen Ausfällen danken.
Diese Schmieröle kommen immer dann zum Einsatz, wenn außergewöhnliche Bedingungen vorherrschen, die mit Standardölen nicht zu bewältigen sind. Sie tragen maßgeblich zu einem störungsfreien, verschleißarmen und ökonomischen Produktionsprozess bei.
Entwickelt für einen ganz bestimmten, eng umrissenen Anwendungsfall, spiegelt ihr oft vergleichsweise hoher Preis die hochwertigen Rohstoffe und den Entwicklungsaufwand wider bei in der Regel geringen Absatzmengen.
Ein Produktwechsel setzt fundiertes Expertenwissen voraus und ist nur dann sinnvoll, wenn sich echte Kostenvorteile abzeichnen. Da der Aufwand im Vorfeld erheblich sein kann, sollte (wenn es vorrangig um den Preis geht) sorgfältig abgewogen werden, ob die Einsparung den Aufwand tatsächlich rechtfertigt.
In der Regel handelt es sich dabei um die Fette, die auf den ersten Blick teuer wirken. Was Aufgabe und Funktion eines Schmierfetts grundsätzlich ausmacht, wurde bereits bei den Universalfetten erläutert. Dieser Typ ist jedoch wie ein Maschinenelement zu verstehen: speziell auf die jeweilige Anwendung abgestimmt.
Das Vorschlagen von Alternativen ist die tribologische Königsdisziplin und sollte ausschließlich technisch-akademisch qualifizierten Experten vorbehalten bleiben. Allgemeines Schmierstoffwissen reicht hier nicht aus. Fundiertes Fachwissen über Wälzlager und die Dimensionierung der Schmierung ist unerlässlich. Ebenso spielt die Anwendung selbst eine wichtige Rolle bei der Entscheidungsfindung, denn mitunter lassen sich dabei auch Verbesserungen beim Wartungsaufwand und den damit verbundenen Kosten erzielen.
Seriöse Anbieter werden Sie bei geringen Mengen ehrlich beraten, sei es mit der Empfehlung, beim bisherigen Produkt zu bleiben, oder, falls ein Wechsel kostentechnisch wirklich attraktiv ist, mit einer gezielten Beratung dazu. Der Preis ist das eine – Umstellung und ihre Folgen das andere.